Spätschicht

Kontrollen, Kälbermilch und Verantwortung

Letzte Woche war ich komplett in der Spätschicht eingeteilt. In der Zeit ging’s bei mir vor allem um Abkalbung, Kontrollgänge und die Versorgung der Kälber – also Milch fahren, nachschauen und mit anpacken. Spätschicht heißt bei uns nicht weniger Arbeit. Es ist einfach anders organisiert – aber zu tun gibt’s genug.

Los geht’s meistens gegen 14:30 Uhr. Als Erstes fahre ich Milch für die Kälber mit dem Boki. Im Prinzip wie in der Frühschicht, nur eben später am Tag. Danach schaue ich bei den Kälbern vorbei und kontrolliere, ob alles passt.

Auf den Bildern sieht man auch gut: Manche Kälber tragen aktuell blaue Decken. Die helfen, damit sie bei der Kälte nicht so schnell auskühlen – gerade, wenn sie mal feucht sind und es später richtig kalt wird. Und wenn es draußen frisch ist, sieht man manchmal sogar eine leicht gerötete Nase – so wie bei uns Menschen im Winter.

Nebenbei sind es oft die kleinen Dinge, die wichtig sind. Zum Beispiel die Eimer leer machen, damit sie nicht kaputtfrieren. Klingt simpel, ist aber wichtig – sonst hat man später das Problem.

Gegen 15:30 Uhr bin ich dann oben in der Abkalbung. Manchmal helfe ich noch kurz der Frühschicht, zum Beispiel bei einer Geburt, oder wir sprechen ab, was noch ansteht. Ab da heißt es vor allem: Kontrollgänge. Alle 15 bis 30 Minuten schaue ich, ob eine Kuh abkalben will.

Wenn sich eine Geburt ankündigt, streue ich eine Abkalbebox mit frischem Stroh ein, hole die Kuh raus und warte, bis das Kalb da ist. Nach der Geburt bleibt das Kalb erstmal bei der Mutter in der Abkalbebox, damit sie es ablecken kann. Danach wiegen wir das Kalb, ziehen die Ohrmarken ein und bringen es in die Kälberbox um. Und ja: ne Schubkarre ist da echt praktisch – so ein Neugeborenes hat oft schon 35–45 kg.

Dann geht es weiter mit dem Melken: erst vormelken, dann das Melkzeug ansetzen. Das dauert ungefähr zehn Minuten. Danach prüfe ich den Brix-Wert der ersten Milch und trage alles am PC ein – Nummer der Kuh, Uhrzeit der Geburt, Brix-Wert, Milchmenge, Daten vom Kalb und wie viel es bekommen hat.

Das Kalb wird gewogen, bekommt die Ohrmarken, kommt in die Kälberbox und wird angetränkt. Später gibt es noch einmal Milch, und wenn alles passt, kann es runter zu den Iglus. Die Mutter bringe ich anschließend in die Gruppe 1.

Zur Versorgung gehört auch der Kuhtrunk – so eine Art „Energy“ für die Kuh nach der Geburt. Damit bekommt sie wieder Kraft und läuft später nicht Gefahr, festzuliegen.

Später am Abend wartet man dann auf die Nachtschicht, um nochmal Milch zu fahren. Das ist wie morgens – nur eben im Dunkeln.

💡 Was ist Biestmilch?

Die Biestmilch ist die erste Milch direkt nach der Geburt. Sie ist besonders wichtig für das Kalb, weil sie viele Abwehrstoffe enthält, die dem Kalb beim Start ins Leben helfen.

💡 Was sagt der Brix-Wert?

Der Brix-Wert zeigt, wie gut diese erste Milch ist – also wie viele wichtige Abwehrstoffe enthalten sind. Kurz gesagt: Je höher der Wert, desto besser für das Kalb

💡Warum wird alles am PC dokumentiert?

Damit genau festgehalten wird:

  • wann das Kalb geboren wurde
  • welche Kuh die Mutter ist
  • wie gut die erste Milch war
  • wie viel das Kalb bekommen hat

So bleibt alles nachvollziehbar – auch über mehrere Schichten hinweg.

Mein Eindruck zur Spätschicht

Auf lange Sicht ist die Frühschicht eigentlich besser, weil man seinen normalen Tagesablauf beibehält. Aber das Geile an der Spätschicht ist ganz klar: ausschlafen können – und die Ruhe, die abends in den Stall kommt. Es ist weniger Trubel, und man arbeitet konzentrierter.

Typisch Spätschicht war auch: Einmal hat mich Azubi Leon morgens angerufen, als ich noch zu Hause war, weil er wissen wollte, was genau in der Frühschicht zu tun ist. Und an einem Abend ging’s auch länger: Ich konnte erst gegen 23:30 Uhr Schluss machen, weil die neue Milch im Tank noch nicht vorbereitet war. Da hieß es dann warten, bis alles passt – und erst dann konnte ich nach Hause.

Finn sieht das übrigens ähnlich. Ihm gefällt die Spätschicht auch besser, weil morgens weniger Stress ist und es abends ruhiger läuft. Nervig findet er nur, dass man in der Spätschicht manchmal kaum noch einen direkten Ansprechpartner vor Ort hat – aber das bekommt man am Ende trotzdem geregelt.

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